Applaus, Applaus

Applaus, Applaus

Usain Bolt läuft die 100m in 9,58 s. In der Zeit habe ich mir noch nicht einmal die Schuhe zugebunden. Mike Powell konnte 8,95 m weit springen. Ich habe zu tun über die nächste Pfütze zu hüpfen ohne naß zu werden.

Jesus Christus spricht: Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.

2. Korinther 12,9

Eliud Kipchonge aus Kenia hat beim Marathon in Wien 2019 die 2 Stundenmarke geknackt auch wenn es offiziell nicht anerkannt wurde. Ansonsten läuft er die 42,195 km in einer Rekordzeit von 2:01:39 h. In der Zeit komme ich gerade mal durch den Supermarkt. Lange Zeit war es Serhij Bubka, der mit dem Stab 6,14 m hoch sprang. Mittlerweile katapultiert sich der Schwede Armand Duplantis dieses Jahr in Glasgow schon auf 6,18 m. Da reichen nicht mal meine 3 Haushaltsleitern, um in diese schwindelerregende Höhe zu klettern. Randy Barnes stößt die Eisenkugel 23,12 m weit. Nicht einmal mit Leichtmetall würde ich das schaffen.

Und das sind nur die Werte aus einem Hobby, das manche als Sport bezeichnen. Es gibt Menschen, die ziehen Lastkraftwagen hinter sich her, Menschen, die Zentimeter lange Zahlen subtrahieren können, Mütter, die 7 Babys auf einmal zur Welt bringen, Männer, die zum Mond fliegen, Mädchen und Mädchenschwarms, die mit ihrer Stimme ganze Stadien füllen – die Elite, die Starken, die Besten, die Rekordverdächtigen, die es halt seltsamerweise irgendwie drauf haben.

Goldmedaille oder Tränen

Was wäre, wenn Dein Name vor diesen Rekordwerten stehen würde? Ruhm und Ehre, Glanz und Gloria, Kaviar und Maserati, Applaus und endlich nicht mehr die Angst, ob ich beim nächsten Wettkampf die Lacher und Belächler wieder auf meiner Seite habe.

Rücklichter

Naja, einer muss ja zum Schluß leuchten. Wozu sonst sollten die Rücklichter gut sein? Schwachsein war noch nie attraktiv. Die Schwachen sind die Verlierer und jeder hat Angst davor ein Verlierer zu sein. Die Schwachen, aber auch die Starken zahlen beide ihren Preis dafür, jeder auf seine Art und Weise. Die einen kämpfen sich mit einigen Blessuren auf‘s Siegertreppchen hoch und kommen aus dem Scheinwerferlicht nicht mehr heraus, die anderen bleiben abgekämpft im Regen stehen und stellen ihr Licht am liebsten in den Schatten.

Faszination Schwäche

Schwäche ist ein Resultat des Vergleichs. Wir empfinden einerseits eine abgrundtiefe Abneigung gegen alles Schwache, weil Schwäche im großen Stil die Anerkennung verweigert wird. Andererseits sind wir aufgrund unserer eigenen Schwachstellen mit der Materie bestens vertraut. Seltsamerweise aber existiert eine starke Abhängigkeit zwischen Schwäche und Stärke. Sie sind wie Geschwister. Ohne den Starken keinen Schwachen. Ohne den Schnellen keinen Langsamen. Ohne das Wunderkind keinen schwer erziehbaren Lausebengel. Ohne den Gewinner kein Verlierer.

Strahlende Verlierer und traurige Gewinner?

Gewinner strahlen. Verlierer weinen. Gewinner strecken die Arme nach oben. Verlierer schlagen mit ihren Armen manchmal um sich. Gewinner treten gerne vor die Kamera. Verlierer verstecken sich gerne vor der Linse. Gewinner feiern bis in die Nacht hinein. Verlierer trauern die dunkle Nacht hindurch. Anerkennung lässt die Heldenbrust anschwellen. Schwäche nagt am Selbstwert. Gibt es da draußen jemand, der uns endlich einmal zeigen kann wie man mit Würde verliert ohne zu verkrampfen? Gehört zur Niederlage nicht immer auch der stechende Schmerz der Enttäuschung?

Jesus hat einen Weg gefunden. Er hat diesen Schmerz des schwachen Außenseiters mit voller Wucht zu spüren bekommen und hat seitdem die Schwachheit als Präsenzbühne für seine Gotteskraft ausgewählt. Gotteskraft mitten in Schwachheit. Herrlichkeit mitten im Leiden. Stärke mit einer neuen Qualität. Der viel zu kleine Gott, das Kind im Stall. Der viel zu arme Gott, der Bettlerkönig, der seinen Bürgern dient. Der viel zu schwache Gott der lieber einsam verliert als gemeinsam zu gewinnen. Der Gott vorerst ohne Happy End, der nicht vom Kreuz steigt. Außerirdisch. Göttlich. Erfahrbar. Kaum meßbar. An deinen Schwachstellen. In deinem Versagen. Kraft und Dynamik die sich nicht in Newtonmeter, Sekunden oder Euro messen lässt. Kraft die gewonnen werden kann indem man sie sich schenken lässt durch kindliches Vertrauen, Demut, Zerbruch und Verfügbarkeit für den Gekreuzigten. Da wo unsere Selbstsicherheit wie Butter in der Sonne schmilzt und die Verluste weh tun, dort ist Jesus manchmal leichter zu finden und intimer zu erfahren als in einem Leben auf der segensreichen Überholspur. Da wo der starke heldenhafte Retter weit weg zu sein scheint, da taucht unverhofft der schwache armselige Christus an der KREUZung Deines Lebens auf. Vorsicht, er ist leicht zu übersehen.

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