Alles im Fluß … ?

Alles im Fluß … ?

Quellen – Wert

Jedes Flussbett liegt tiefer als seine Quelle. Die Quelle liegt in der Regel an einer höher gelegenen Stelle, damit ihr Quellwasser auch abfließen kann und ihre Umgebung mit lebenswichtigem Quellwasser versorgt. Die Quelle hat einen hohen Stellenwert in jeder Hinsicht. Jedes Leben braucht seine Quellen.

Verlässlichkeit von Informationsquellen

Im Informationszeitalter sind Informationsquellen das Lebenselixier einer ganzen Gesellschaft. Jede Zeit hat ihre Herausforderungen. Eine der Unseren ist der Umgang mit Informationen. Informationen beeinflussen unsere Orientierung, d.h. unsere Lebensflussnavigation. Das, was wir für informativ und real halten, dass prägt unser Handeln. In der Fülle von Informationen wird die Frage nach den Quellen elementar. Welchem Flusslauf und welcher Informationsquelle vertraue ich und v.a. vertrauen wir gemeinsam? Welcher Flusslauf führt zur Quelle?

Quellenvielfalt der Postmoderne

Unsere postmoderne Zeit ist von Quellenvielfalt geprägt. Wir stehen nicht mehr auf dem Boden einer gemeinsamen Überzeugung, sondern sind an vielen Flussläufen wie in einem Flussdelta verstreut. Fake News, einseitige Berichterstattung oder Halbwahrheitsinformationen gehören mit zum Alltag und sind wie Wasseradern, die jedoch letztlich im Sande verlaufen. Sie speisen sich nicht von echtem Quellwasser, sondern von vagen Zuläufen und Abwässern. Ihre Quellen halten der Wahrheit nicht stand und versiegen, wenn es um die elementaren Fragen des Lebens geht. Sie können auf Dauer kein Leben erhalten. Fake News verursachen Entscheidungen, die die Wirklichkeit verzerren und das Leben verkomplizieren sowie letztlich in die Irre führen.

Dürre oder Deichbruch

Extreme eines Flusslebens sind Überschwemmungen oder Austrocknung. Im Blick auf den Informationsfluss fließt manches an uns vorbei, anderes versickert und nicht selten sorgt die Informationsüberflutung für aufgeweichte Deiche bzw. fehlende Stabilität an den Lebensrändern, weil wir das was da tagtäglich auf uns einströmt nicht mehr abgrenzen und im Lebensfluss halten können. Ein Deichbruch kann den Lauf eines ganzen Flusses ändern. Man kommt ins Schwimmen, weil die bisherige Orientierung an dieser Stelle nicht mehr weiterhilft. Desorientierung ist ein guter Nährboden für Verschwörungstheorien und vage Theorien, in denen von der Beobachtung auf vielfältig angenommene Ursachen geschlossen wird. Eine Theorie aber bildet noch lange nicht die ganze Wirklichkeit ab.

Das B… macht den Unterschied

Zwischen Beobachtung und Bewertung sollte für eine gute Orientierung deutlich unterschieden werden, denn nicht jede Flussbiegung gleicht einer Katastrophe, nicht jede dunkle Wolke hat ein Gewitter zur Folge. Nicht jede Bewertung hält den Tatsachen stand. Nicht jedes Ende bedeutet gleich Weltende. Aber wer garantiert für zuverlässige Informationen? Wer ist in der Lage objektiv und richtungsweisend zu bewerten? Von daher finden wir schon in einem uralten Gebet (Psalm 119) die Bitte um Orientierung:

Navigationsgebet

Gepriesen seist du Herr! Lehre mich deine Ordnungen! … Meine Seele zermürbt sich vor Verlangen nach deinen Bestimmungen zu aller Zeit. … Lehre mich, HERR, den Weg deiner Ordnungen und ich will ihn bewahren bis ans Ende. … Leite mich auf dem Pfad deiner Gebote, denn ich habe Gefallen daran. … Von deiner Gnade, Herr, ist die Erde erfüllt. Lehre mich deine Ordnungen! … Du bist gut und tust Gutes. Lehre mich deine Ordnungen! Es war gut für mich, dass ich gedemütigt wurde, damit ich deine Ordnungen lernte. … (Ps 119,12.20.33.35.64.68.71)

Orientierungsverlust

Ohne Flussbett gibt es keinen Fluss. Ohne Ordnung keine Orientierung.

Die Orientierungslosigkeit einer ganzen Nation wird im Jeremiabuch mit einer rissigen Zisterne verglichen, ähnlich einem ausgetrockneten Flussbett. „Denn mein Volk tut eine zweifache Sünde: mich, die lebendige Quelle, verlassen sie und machen sich Zisternen, die doch rissig sind und kein Wasser geben.“ Jer 2,13

 Ozapft is

Jedes Lebewesen, dass auf Quellen angewiesen ist, wird gut daran tun, überlebenswichtige Quellen zu kennen und auch aufzusuchen. Das gilt auch im Blick auf Informationen. Welche Informationen dienen dem Überleben und sind für gute Entscheidungen wirklich nötig? Auf wen hören wir und höre ich im Miteinander? Welcher Quelle vertrauen wir gemeinsam? An welchem zuverlässigen Lebens- und Informationsfluss leben wir gemeinsam, weil wir ihm vertrauen? In dieser Beantwortung entscheidet sich sehr viel für die Gestaltung und den Fortbestand unseres gemeinsamen Lebens.

Sei ein lebend’ger Fisch

In einem Flussdelta geht schnell die Orientierung verloren, weil unzählige Flussbetten Informationen in rauen Mengen Richtung Mündung spülen und manches eventuell durch Ebbe und Flut auch wieder rückwärts fließt. Momentaufnahmen beinhalten nicht die ganze Wahrheit, sondern lediglich einen flüchtigen Blick vergänglicher Wirklichkeit. Vielleicht lässt sich unsere Zeit mit all ihren Herausforderungen mit so einem Flussdelta vergleichen, in dem Orientierung zu einem Luxusgut geworden ist. Wer ernsthaft zur Quelle will, der muss an manchen Irritationen und fake news vorbei, manche Umwege und Sandbänke in Kauf nehmen. Und er muss mit einer sich ständig verändernden postmodernen Flussdeltalandschaft zurechtkommen. Wer aber zur Ursprungsquelle zurück will, muss gegen den Strom schwimmen. An der Wahrheit hat sich nichts geändert.

Heilquelle

Es wird also einiges mehr an Kraftaufwand erfordern zur lebendigen Quelle zurück zu gelangen, als sich von ihr stromabwärts fort treiben zu lassen oder die Energie zum Buddeln von rissigen Tümpellöchern zu vergeuden, die dann mithilfe von fake news als scheinbar lebendige Quellen beworben werden. Jesus kommentiert die Wirkung dieser kurzfristigen Durstlöscher folgendermaßen: „Wer von diesem Wasser (lebensuntauglichen Informationen) trinkt, der wird wieder Durst bekommen; wer aber von dem Wasser trinken wird, das ich ihm geben werde, das wird in ihm eine Quelle werden, dessen Wasser bis ins ewige Leben quillt.“ (Joh 4,13f.) Wirkliches Leben finden wir nur bei dem, der sich als die lebendige Quelle zu erkennen gibt. Die Quelle des ursprünglichen Lebens ist Gott selbst. Er lässt sich von denen finden, die sich ernsthaft auf den Weg stromaufwärts machen. Diese Quelle ist daran zu erkennen, dass sie nicht austrocknet und in dem Menschen zu sprudeln beginnt in dessen Leben Jesus gefunden, anerkannt, vertraut und geliebt wird. Wer Orientierung für das Leben sucht, ist gut beraten in unmittelbarer Nähe zur dieser einzigartigen und überlebenswichtigen Lebens-Quelle zu leben.

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